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Almadinh – Aleppos Märkte

Der Souk von Aleppo im Jahr 1995.

 

Als ich klein war, hörte ich meinen Vater von ‚Almadinh‘ sprechen. Es ist der Name, den Menschen in Aleppo nutzen, um die Märkte in der Altstadt zu beschreiben.

Dieser Teil der Stadt besteht aus vielen verschiedenen Märkten.
An einem Donnerstag ging ich mit meinem Vater dorthin, da er einige Dinge für seine Arbeit erledigen wollte.

Nachdem er seine Arbeit erledigte, gingen wir in die Altstadt und besuchten die Zitadelle Aleppos und die Umayyaden-Moschee.

Es gab einen berühmten Markt. Er hieß “Souk ala’ atreen“ – übersetzt Markt der Parfumeure. Als wir uns dem Markt näherten, rochen wir den Geruch des Alpen-Thymians und die damazenischen Alge. Ich wusste noch nicht soviel über den Souk und stellte daher viele Fragen. In diesem Souk wurde die berühmte Aleppo-Seife verkauft.
Papa erzählte mir, dass der Souk früher ‚souk alabreen‘ hieß und viel größer war. Die Textilhändler kauften sich einige Läden und schlossen ihre eigenen direkt daneben zu ihrem Markt ‚Souq alabayet’ an.

Dann erzählte er mir eine kurze Geschichte: Es gab einmal in diesem Souk einen Händler, der vor seinem Laden saß. Ein Kunde kam zu ihm und wollte Gewürze kaufen, aber der Händler sagte zu ihm: „Gehen Sie bitte zu dem Laden, wo ein Stuhl vor der Tür steht. Dort gibt es auch die gewünschten Gewürze.“ Nachdem der Kunde die Gewürze gekauft hatte, kehrte er zu dem ersten Händler zurück und fragte ihn: „Warum haben Sie mich dahin geschickt, obwohl Sie die selben Gewürze haben?“

Die Frage wurde von dem Händler beantwortet und er sagte: „Ich habe meinen ersten Verkauf (Istftahia) gehabt. Wer in diesem Souk seinen ersten Verkauf macht, nimmt den Stuhl rein. Es heißt, dass der erste Verkauf gemacht wurde.“
„In den vergangenen Zeiten wünschten sich die Menschen gegenseitig das Beste und das viel mehr als heutzutage“, sagte mein Vater.

Als ich älter wurde, habe ich viel Zeit alleine in der Altstadt verbracht. Als hätte ich geahnt, dass es meine letzte Chance war, diesen Ort zu genießen. Das letzte Mal, dass ich den Ort besuchte, war im Winter 2012.


Text: Yasser (Hometown Hannover e.V.) I Foto: Nick Kenrick