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Auf ein Wort

Der Gestalter Sebastian Moock und die Kuratorin Julia Katharina Thiemann sprechen darüber, wie die Rolle von Zuschauer*innen im Ausstellungskontext neu gedacht werden kann.

Inwiefern bringt die Ausstellung „act“ im Q18 in Köln neue Perspektiven in der Kunstwelt auf?

Die Gruppenausstellung „act“ präsentiert 30 Handlungsanweisungen von 28 internationalen Künstler*innen, die im Ausstellungsraum als Text zu lesen sind und dann von den Besucher*innen ausgeführt werden können – oder auch ausgeführt werden müssen, denn sonst gibt es nichts zu sehen und zu erleben. Die Rezipient*innen müssen quasi interagieren, wenn sie bestimmte Erfahrungen machen wollen. Zugleich sind es diese Erfahrungen, die die Künstler*innen interessieren und die sie auf spielerisch leichte Art forcieren.

Das Erleben und Agieren ist untrennbarer Aspekt der Ausstellung.

Darum geht es vor allem. Die Ausstellungsbesucher*innen schauen sich nicht nur an, was die Künstler*innen sich überlegt haben, sondern sind in ihrer Anwesenheit ein ganz wichtiger Bestandteil. Indem sie handeln, prägen sie das Geschehen im Raum entscheidend mit.

Es gibt also eine Verschiebung der Perspektive der Ausstellungsbesucher*innen als Zuschauer*in hin zu Ausstellungsbesucher*innen als Handelnde.

Ja. Es ist Teil des kuratorischen Konzeptes, dass die Handlungsanweisungen künstlerisch so angelegt sind, dass die Autorenschaft geteilt wird. Dieser Aspekt birgt einen großen Spielraum für experimentelles Ausprobieren. Während die Künstler*innen sich ihre Anweisungen und Anregungen sorgfältig in ihrer jeweiligen ästhetischen Sprache überlegt haben, überlassen sie die Ausführung den Besucher*innen.

Das erfordert sicher auch eine Menge Offenheit? Die Künstler*innen können ja gar nicht genau steuern, was wie wann gemacht wird.

Das stimmt. Wie die künstlerischen Anweisungen tatsächlich von den Personen im Raum ausagiert werden, obliegt den Besucher*innen. Natürlich auch, ob sie sie überhaupt ausführen. Jede*r interpretiert die unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten vielleicht auch anders. Zugleich gibt es Wechselwirkungen im Raum zwischen den verschiedenen Besucher*innen und den unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten.

Perspektivhaftigkeit ist also ein zentrales Thema der Ausstellung.

In „Act“ werden Rollen gewechselt und unterschiedliche Perspektiven eingenommen. Während, bevor oder nachdem jemand gerade eine Instruktion ausführt, beobachtet sie oder er natürlich auch das Geschehen im Raum, die Ausführung der anderen Anweisungen. Das beeinflusst sich stark gegenseitig. In Momenten, in denen jemand nach der Anweisung des Künstlerinnenkollektivs FORT das Licht ausmacht, beginnt oft jemand die Instruktion von Vajiko Chachkhiani auszuführen – laut zu schreien, wenn man den richtigen Augenblick findet. Die Beobachtung und Einnahme variierender Perspektiven ist entscheidend in dieser Ausstellung.

Welche Rolle spielt dabei die Gestaltung der Handlungsanweisungen?

Die Form der Darbringung ist bei jeder künstlerischen Arbeit und kuratorischen Setzung entscheidend. In diesem Fall haben Sebastian Moock und Julia Katharina Thiemann ein Konzept ausgearbeitet, in dem die einzelnen Instruktionen auf festen, großen Texttafeln in die Hand genommen werden können. Dadurch entsteht die notwendige Flexibilität, um die Anweisungen ein Stück weit mitzunehmen, sie zu handhaben, im wörtlichen Sinne. Interessierte können eine Handlungsanweisung von den Borden im Raum nehmen, sie in Ruhe lesen, sich einen Ort im Raum suchen und sie dort ausführen. „Act“ bedeutet eine große Offenheit und Leichtigkeit, die sich im Ausstellungsdesign spiegelt.

Wie wurden die Anweisungen von den Besucher*innen angenommen?

Die künstlerischen Arbeiten wurden von den Ausstellungsbesucher*innen begeistert aufgenommen und immer wieder engagiert ausgeführt. Dabei nimmt das Geschehen ein Stück weit auch eine Eigendynamik an – je mehr Personen im Raum die Handlungsanweisungen ausführen, desto mehr scheinen mitzumachen. Aber auch einzelne Personen haben den Parcours der Arbeiten konzentriert ausagiert und zumeist noch lange über die Erfahrungen reflektiert. Ich habe sehr viel positives Feedback zu dem Ausstellungskonzept und den einzelnen künstlerischen Arbeiten, wie auch zu der kuratorischen und nicht zuletzt graphischen Umsetzung bekommen.

 

 

 


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