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Die Welt dazwischen und über die Grenzen hinaus

Dazwischen. Zwischen Mann und Frau. Zwischen dem Binären. Ein Spektrum von Geschlechterformen. Mit ihrer Fotoserie "between" visualisiert Aline Pape Fragen und subjektive Antworten zum Thema Körper und Identität. Wir haben mit ihr gesprochen.

 

Wie kam die Idee von "between" zustande?
„between“ ist eine meiner ersten freien Arbeiten zum Thema Geschlecht.
Die intensive Auseinandersetzung mit geschlechterspezifischen Stereotypen brachte mich Ende 2019 zum Nachdenken: Inwieweit definieren wir uns durch unser Geschlecht. Ich wollte eine Welt innerhalb des binären Geschlechterkonzeptes darstellen und begann, die Körper meiner Freunde und Bekannten aus meinem Umfeld zu fotografieren. Mit dem entstandenen Bildmaterial begann ich, zu experimentieren und ein Konzept zu entwickeln, das die Körpergrenzen visuell aufbricht. Innerhalb von gleichwertig transparenten Überlagerungen der Fotografien entstand eine Bildwelt, in der die Konturen der Körper zu verschwimmen begannen.

Inwiefern hat sich dein Blick auf Geschlechtsidentitäten verändert?
Unsere Geschlechtsidentität basiert grundlegend auf unserem Körper, der in unserer Gesellschaft durch bestimmte Erwartungshaltungen geprägt ist. Daher werden wir im Alltag immer wieder mit unserem Geschlecht und der damit verbundenen Rolle konfrontiert. In mir kam die Frage auf, ob ich mich jemals bewusst dazu entschieden habe, mich als Frau zu identifizieren. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mir diese Frage nie zuvor gestellt habe. Ich habe zwar einen weiblichen Körper, aber muss ich mich deshalb auch in dieser Rolle verhalten, obwohl ich mich gar nicht so fühle? Es ist zwar einfacher, sich den vorgelebten Rollen entsprechend zu verhalten, aber wirklich wohl in meiner Haut fühlte ich mich erst dann, als ich aufhörte meine Identität an mein Geschlecht und meinen Körper zu binden.

Was hast du bei dem Projekt gelernt?
Dadurch, dass ich so viele entkleidete Menschen gesehen habe, hat sich mein Blick auf den menschlichen Körper verändert. Wir sehen nicht oft nackte Körper, die nicht idealisiert und sexualisiert werden. Wir denken oft, wir müssten diesem Körperbild entsprechen.
Manche Menschen wollten gar nicht erst bei meinem Projekt mitmachen, weil sie ihren Körper als zu dick oder zu klein empfanden. Dafür habe ich Verständnis, aber es macht mich traurig, dass Menschen so unglücklich über ihren eigenen Körper sein können. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Menschen sich nicht mehr selber die Schuld daran geben, nicht den idealisierten Körperbildern zu entsprechen, sondern den Druck der Gesellschaft anzweifeln und aufbrechen.

"Die Welt dazwischen und über die Grenzen hinaus, gilt es für uns heute zu entdecken."

Welchen Beitrag kann konzeptionelle Fotografie bei der Diskussion für mehr Gleichberechtigung leisten?
Konzeptionelle Fotografie ermöglicht es, komplexe Inhalte über eine visuelle Ebene zu kommunizieren. Über Bildgestaltung lassen sich subjektive Fragestellung eröffnen und mögliche Antworten geben, welche den Diskurs anregen. Bei einem viel diskutierten Thema, wie das der Gleichberechtigung, wird deutlich, wie komplex die subjektive Wahrnehmung ist. Die Infragestellung des Geschlechtes und dessen Rolle zweifelt die Identität aller an. Ich denke, dass das visuelle Medium der Fotografie bei der Diskussion für Gleichberechtigung deshalb eine große Bedeutung hat. Subjektive Wahrnehmungen werden ausgetauscht, die sich stark unterscheiden können und den Diskurs anregen, der für Veränderung jeglicher Art ein grundlegender Bestandteil ist.

In deinem Projekt beschäftigst du dich mit der Gleichstellung von Körpergrenzen und Geschlechtern. Warum stellt das für dich eine Utopie dar?
Wir haben gelernt, Körper in zwei Arten von Geschlechtern zu lesen und ihnen dadurch gewissen Rollen zuzuschreiben. Dabei sind unsere Körper, unsere Geschlechter und unser Verhalten um einiges vielfältiger als die stereotypische Einordnung in Mann und Frau.
Die Welt dazwischen und über die Grenzen hinaus gilt es für uns, heute zu entdecken.
Für mich ist eine Utopie, seine eigene Identität zu entdecken und anderen Menschen die Freiheit zu geben, dies ebenfalls tun zu können. Mit der Utopie verbinden wir oft etwas weit Entferntes - dabei beginnt sie doch eigentlich ganz nah, in uns selbst.

 

Bilder: Aline Pape ist 23 Jahre alt und kommt ursprünglich aus dem Sauerland. Aktuell studiert sie Kommunikationsdesign im Bachelor an der FH Aachen im Schwerpunkt Fotografie. In der Fotografie hat sie eine Ausdrucksform gefunden, Fragen und subjektive Antworten zum Thema Geschlechterrollen, Körper und Identitäten konzeptionell zu erarbeiten und diese anderen Menschen visuell zugänglich zu machen.
Checkt ihre Website und ihr Instagram.



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