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Die Wunde, die noch nicht geschlossen ist.

von Mohamed Hussein und Ahmed Alloush
Fotos: Adnan Shabaji

Hometown Hannover ist eine Initiative, die Menschen zusammenbringt. Unabhängig von Herkunft, Schulabschluss, Geschlecht, Alter oder Sprache bildet Hometown einen Raum für aktive Teilhabe. 2017 ist eine Hometown-Gruppe aus Hannover in die Gedenkstätte Bergen-Belsen gefahren. Ihre Gedanken und Gefühle haben Mohamed Hussein und Ahmed Alloush im Folgenden aufgeschrieben.

Die Geschichte führt uns zurück und erzählt von dem, was vor Jahrzehnten in einem heute idyllischen Waldstück in der Heide geschah. Millionen Besucher sahen die Bilder und hörten die schockierenden Geschichten der Menschen, die an diesem Ort gefoltert wurden und ums Leben kamen. Das Stammlager Stalag XI C (311) befindet sich 55 km nördlich von Hannover in der Nähe von Belsen.

Gegen 9:00 Uhr fahren wir mit dem Bus zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Der Ort ist ruhig. Es gibt ein paar Leute, die sich wie wir für das interessieren, was hier passierte. Jetzt sind nur noch Steine und Bäume da, als Zeugen der Geschichte.

„Am Anfang war dieses Stalag eine Unterkunft für Arbeiter. Dann wurde es von Nationalsozialisten als KZ benutzt“, sagt Henning*, unser Begleiter. Er zeigt uns Fotos und Dokumentationen, damit wir mehr verstehen können. Dr. Fréjafon, ein französischer Häftling, schrieb im Januar 1945 einen Bericht, darin steht wie viele Häftlinge und aus welchen Ländern im Lager gelebt haben. Die Menschen wurden nach Nationalitäten, Religion und politischer Gesinnung in Unterkünfte aufgeteilt. Jeder Häftling bekam nach der Aufteilung eine bestimmte Farbe und ein Zeichen.
Der Krieg und seine Tragödie. Seit zwei Jahren versuche ich immer, den Krieg zu vergessen. Doch ist er jetzt wieder vor mir. Er ist derselbe - irgendwann, irgendwo.

“Mir geht`s gut, euch auch hoffe ich. Päckchen sind hier empfangbar.” Die meisten Briefe der Häftlinge lesen sich so. Briefe im Lager Bergen-Belsen durften nur 35 Wörter lang sein und mussten auf Deutsch geschrieben werden. Hans, 17 Jahre alt, beschrieb in seinem Brief seine Gefühle, seine Situationen und seine Bedürfnisse. In 35 Wörtern, auf Deutsch. Niemand wusste ob die Briefe je ihre Adressaten erreichen würden. 
Draußen fliegen meine Gedanken mit den Vögeln und meine Vorstellungen wandern im Ort. Ich starre den Horizont an und versuche dieses Unglück nachzuvollziehen.

Hennings Stimme bricht mein Nachdenken: Hier waren die Baracken, die Toiletten, die Zäune und die Wachtürme. In vielen Baracken lebten zahlreiche Menschen, die aus verschiedenen Ländern kamen. Ich frage mich, zeugen diese Bäume von dem Leid der Häftlinge? Ist ihr Blut mit dem Erdboden vermischt?

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Draußen fliegen meine Gedanken mit den Vögel und meine Vorstellungen wandern im Ort. Ich starre den Horizont an und versuche dieses Unglück nachzuvollziehen.«


Auf dem weitläufigen Friedhof sind Grabsteine verteilt. Die Toten im KZ wurden nach der Befreiung durch britische Soldaten anonym in den Massengräber beerdigt. Es ist unvorstellbar. Da ist der Grabsteins Anne Franks, die Arme schrieb: „Ich suche dauernd nach einem Mittel, um so zu werden, wie ich gern sein würde und wie ich sein könnte.“

Wir sind in der Ausstellung. Henning weckt mich aus meinen Gedanken. Unzählige Fotos, Dokumente, Interviews, Filme und Berichte versuchen zu erklären, was hier passierte.
Heutzutage erleben Menschen ähnliche Gewalt durch den IS und anderen terroristischen Gruppierungen in den Kriegsgebieten.

Das wird nie wieder passieren, sagte Marianne. Ja, ich stimme ihr zu. Wir müssen und werden gemeinsam gegen solche menschenverachtende Ideologien kämpfen und uns für unsere vielfaltige bunte Gesellschaft einsetzen.

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