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Fünf weiße Menschen

Fünf weiße Menschen sitzen auf grauen Sesseln zwischen Plastikscheiben in der Scheiße.

Denn engstirniges Nicht-Denken führt zu empathielosen Unwörtern, die aufmerksame Denker:innen an große Diskussionen hängen.

Dann füllen sie die Social-Media-Seiten mit Videos und Bildern und Texten, was daran grad‘ falsch läuft und was besser laufen müsste, aber es nicht tut.
Und dann fluten sie Pages mit Worten und Wörtern die erklären, aber wen klären die eigentlich auf?

 

Denn morgen, übermorgen oder spätestens in der nächsten Woche schauen die Feeds zurück auf die weiße-cis-hetero Mehrheitsgesellschaft, mit Privilegien von gestern und den letzten 20 Jahrhunderten.

Morgen, übermorgen oder spätestens in der nächsten Woche werden Worte verwendet, die nicht durchdachter, nicht aktivistischer und antidiskriminierender sind, als diese, weshalb sie popularisierten.

Die Wörter und Worte waren in den Trends und die Gedanken im Kurzzeitgedächtnis der Köpfe, und dann waren der Trend und die Gedanken in den Kurzzeitgedächtnissen der Köpfe. Und dann waren sie überfordert. Die Wörter und Worte wurden verbannt aus den Gedanken, die sich rankten durch diese Leeren, was anderes kann ich in ihnen nicht sehen.

Das war schon immer so. Das haben sie schon immer so gemacht. Ja, das ist auch ihr Argument, aber immerhin ziehen sie es durch. Die Trends mitgehen, einen schwarzen Kasten am Blackout Tuesday, das Reposten von Videos die Awareness schaffen, ein Erklärbeitrag in die Story und dann ist genug mit Politik und Gesellschaft für heute.

Wir sprachen über Fridays for Future, über Blacklivesmatter, über #metoo, über Jana aus Kassel und 15 Minuten lang über Moria, dann war‘s nicht mehr relevant in deiner Social Media Bubble. Sowieso niemals in deiner Reality.

 

Einen kurzen Moment hast du dran gedacht, was zu ändern, doch dann hat dich deine Wohlfühloase zurückgesogen und ich kann es dir nicht verdenken, ist so viel kuscheliger dort.

 

Aber wäre es nicht fairer, den Trend Trend sein zu lassen, die Wohlfühlbubble das ganze Jahr über aufrechtzuerhalten, kein Post zu Politik und Gesellschaft, oder wäre es nicht fairer der Wohlfühlbubble den Rücken zu kehren. Wäre es nicht fairer für alle, das ganze Jahr lang aktivistisch zu sein, sich außerhalb der Trends mit Themen auseinanderzusetzen, vielleicht verändert das dann die Strukturen? Vielleicht könntest du dann irgendwann zurück in deine Wohlfühlbubble und bräuchtest nicht mal an den Tagen des Gedenkens die Beiträge zu durchdenken. Weil die Welt schon Friede-Freude-Eierkuchen wäre, wer wünscht sich das denn nicht so sehr?

Aber vielleicht müssen wir dazu noch ein paar Trends durchleben, damit klar ist, dass auch Juden und Jüdinnen, Sinti:zze und Rom:nja, ökonomisch Schwachgestellte, Staatenlose, und so viele andere Menschen hier in diesem Land leben und sich struktureller Diskriminierung ergeben. Vielleicht sind wir erste Schritte gegangen mit Hypes, um bestimmte Thematiken, die nie abflachen sollten, aber vielleicht haben wir auch noch viele Schritte zu gehen.

Ein Social Media Post verändert nicht die Welt, er kann höchstens den großen Brocken Richtung Bahn rollen. Bevor wir uns aber nicht selber ändern, wird er niemals ankommen, wo wir hinsollen.

Also verändere die Welt, denn ganz ehrlich, sie braucht es.

Text: Franzi Comes, geboren 2003 bei Köln, schreibt seit der Papa ihr einen Stift in die Hand gedrückt hat über das Leben und seine Ecken, Kurven und Kanten. Sie schreibt und quatscht nicht nur privat gern, sondern auch für die Öffentlichkeit. Daher absolviert sie aktuell in Saalfeld/Saale ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einem Radiosender. Das Schreiben und der Journalismus sind ihre großen Zukunftsbegleitungen, denn ihr Traum ist, damit mal ihr täglich Brot zu verdienen.

Foto: Lukas Eggers



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von/by Redaktion/Editorial Staff