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Esther Perel "Was Liebe aushält", aus dem amerikanischen Englisch von Christiane Sipeer und Johanna Wais, HaperCollins, August 2020, 382 Seiten, Softcover

Ja, Esther Perel, die Frau, die mit dem Podcast „Where should we begin“ so mancher Beziehung im Lockdown geholfen hat, hat ein Buch über Untreue geschrieben – wenn man es so nennen will. Dass man allein hinter diesen Ausdruck direkt mal einen prüfenden Blick werfen darf, macht die New Yorker Psycho- und Paartherapeutin direkt am Anfang des Buchs deutlich. „Affären können uns eine Menge über Beziehungen lehren“ schreibt sie und dröselt diese Behauptung auf den nächsten rund 380 Seiten anschaulich und mit psychologischem Know-how auf.

Zum schnellen Weglesen ist das Buch allein wegen des Umfangs, aber auch aufgrund der aufgeführten Gedanken nicht unbedingt gedacht. Macht ja aber auch nichts. Emotionale Glaubenssätze in Sachen Liebe und Monogamie lassen sich auch nicht unbedingt in einer Zehn-Minuten-S-Bahnfahrt zur Arbeit auflösen. Damit das aber Stück für Stück gelingt, ist das Buch in vier große Bereiche gegliedert, die wiederum in Unterkapiteln den Zugang zum Thema und einer vielleicht neuen Sichtweise auf das sogenannte Fremdgehen ermöglichen. Besonders schön ist dabei, dass Perel die vielen Gesichter, Gefühle und auch Elemente der Selbsterkenntnis eines Seitensprungs ins Spiel bringt: Jede Affäre ist individuell, birgt eigentümliche Gefahren, aber auch Möglichkeiten. Wie jede*r einzelne mit Gefühlen und Begegnungen außerhalb einer vorab als exklusiv markierten Beziehung umgeht, ist ebenso individuell wie die Situation selbst. Anhand verschiedener Beispiele von Menschen, die sich mit Unehrlichkeit in Sachen Liebe konfrontiert sahen, zeigt Perel aber einfühlsam auf, wie gemischt solche Dilemmata für die betroffenen Personen sein und sie damit umgehen können.

Doch in „Was Liebe aushält“ steht nicht nur der vermeintliche Vertrauensbruch innerhalb einer monogamen Beziehung im Mittelpunkt. Die Autorin findet auch Zeit und Worte für die neue Beziehungen, die aus Affären entstehen, widmet sich neuen Familienkonzepten und der grundsätzlichen Frage nach Funktionsträchtigkeit von Monogamie. Ob man einen Seitensprung gestehen, verschweigen, ignorieren oder ihm eine Bedeutung zu messen soll: Auf diese Fragen gibt es keine konkreten Antworten, dafür aber Handlungsempfehlungen auf Basis jahrelanger psychotherapeutischer Erfahrungen Perels. Und dann ist am Ende doch eines beantwortet: Dass man mit diesem Buch etwas lernen kann.



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